Abgeltungssteuer.pdf
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08 I Interview I TRADERSJournal Mehr Wissen Markus Miller (1973) ist und war für verschiedene renommierte Privatbanken tätig, u. a. in den Bereichen Private Banking, Internationales Vermögensmanagement, Discount Brokerage, Treasury, sowie Forschung und Entwicklung von innovativen Produkt-, Anlage- und Dienstleistungskonzepten. Neben dem Bankplatz Deutschland hat der diplomierte Vermögensmanager Erfahrungen bei international tätigen Banken und Beratungsunternehmen in Österreich, Liechtenstein sowie der Schweiz gesammelt. Markus Miller ist Gründer, Managing Partner der Plattform geopolitical. biz und Herausgeber des kostenlosen monatlichen Online Newsletters “GEOPOLITICAL-NEWS” zum Themenbereich Internationale Bewegung. Seit Februar 2007 ist Markus Miller Chefredakteur des renommierten Wirtschaftsdienstes "Kapital & Steuern". Des Weiteren ist Markus Miller Autor der Bücher „Abgeltungssteuer – nein danke! – simplified“ sowie „Geopolitische Vermögenssteuerung“. Das Team des Finanzbuchverlags hat Markus Miller nun zum Thema Abgeltungssteuer befragt. Warum wird überhaupt eine Abgeltungssteuer eingeführt? MM:MitderAbgeltungsteuersolldieBesteuerung von privaten Kapitalerträgen neu geordnet und vor allem vereinfacht werden. Bisher werdenKapitalerträgeundKursgewinneganz unterschiedlichbesteuert. MitderAbgeltungsteuersolldamitSchlusssein:Zinsen,DividendenundprivateKursgewinnewerdenab2009 steuerlich gleichbehandelt. Der Staat hat dabei drei grundlegende Ziele. Zum einen die Entbürokratisierung und Vereinfachung des komplizierten deutschen Steuerrechtes. Die AngleichungallerprivatenKapitalerträgeund vorallemdieEindämmungderSteuer uchtins Ausland, indem die Anreize zur Flucht durch einen verringerten Steuersatz vermindert werden. Die Idee der Einführung einer Abgeltungssteuer ist grundsätzlich sehr gut und ich befürworte dies. Die deutsche Umsetzung in dergeplantenFormistjedochschlechtunddie Zielerreichung somit stark fraglich. WarumheißtdieneueSteuereigentlichAbgeltungsteuer? MM: Im Unterschied zum derzeitigen Recht hatdieneueSteuereine„abgeltende“Wirkung, dasheißt,derAnlegerhatnachdemAbzugder AbgeltungsteuerseineSteuerp ichtgeleistet. Dagegen sind die bisherigen Steuerabzüge, wie der heutige Zinsabschlag von 30 %, nur eine Vorauszahlung. Der Anleger muss die Kapitalerträge im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung letztlich mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern, so dass sie – oberhalb des Sparer-Freibetrages – mit bis zu 45 % belastet werden können. WarumsehenSiediedeutscheAbgeltungssteuer so negativ? MM:WeilwiriminternationalenVergleich,vor allem mit unseren direkten Nachbarländern große Nachteile haben. Österreich gilt alsVorbilddafür,dasseineAbgeltungssteuersinnvoll seinkann. DochdieAlpenrepublikkennt–wie Deutschlandbisher–eineeinjährigeSpekulationsfristbeiVeräußerungsgewinnen. InLuxemburg beträgt diese Frist ein halbes Jahr. In der Schweiz,inBelgienunddenNiederlandensind Veräußerungsgewinne grundsätzlich steuerfrei. In Italien gibt es eine Veräußerungsgewinnbesteuerung, aber zu einem moderaten Satz von 12,5 Prozent. Frankreich wiederum setzt auf hohe Freibeträge und eine – sehr lange – Spekulationsfrist: Bis zu 20 000 Euro pro Jahr dürfen steuerfrei eingestrichen werden, nach einer Haltefrist von mehr als acht Jahren bleibt der Fiskus ebenfalls außen vor. Großbritannien stellt Veräußerungsgewinne bis8800Pfundsteuerfrei;außerdemreduziert sichbeilängererHaltedauerdiesteuerlicheBemessungsgrundlagelangfristigauf60Prozent. Deutschlandwirdhingegenmitdieserundi erenziertenBesteuerungauchlangfristigerVeräußerungsgewinnezueinemHochsteuerland für Aktienanleger. Wer sind dieVerlierer der Abgeltungssteuer? MM: Grundsätzlich der Finanzplatz sowie das Investitions- und Wohnsitzland Deutschland. Aktionäre sind dabei die klaren Verlierer der Abgeltungssteuer. WährenddieUnternehmen steuerlich deutlich entlastet werden (die GesamtsteuerbelastungderKapitalgesellschaften wirdvonbisher38,65Prozentauf29,83Prozent gesenkt werden), kommen auf fast alle AktionäreMehrbelastungenzu. Dividendenbezieher müsseninZukunft100Prozentstattwiebisher nur 50 Prozent ihrer Dividendeneinnahmen Interview mit Markus Miller über die Abgeltungssteuer und ihre Folgen